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Ägypten - Aswan, 21.7.2005

 
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Roswitha

Wenn man nach Aswan hineinfährt, wird man auf die prachtvolle Uferpromenade geleitet. Bäume umrahmen diesen Boulevard, an den Kais reihen sich Kreuzfahrtschiffe, eins nach dem anderen. Öfters liegen sie zu mehreren in einer Reihe. Auf der anderen Seite reichen sich Hotels, Banken und ein paar Verwaltungseinrichtungen die Hand. Man kann nach Elephantine rüberblicken, einer grünen Insel, aus deren Palmenhainen traditionelle nubische Häuser herausluken. Auch die Mauerreste des Khnum-Tempels sind dort erkennbar.
 
Die meisten Touristen flanieren hier an dieser Prachtstraße entlang. Auch der nahegelegene Basar ist Zielort der Touristen. Die Einheimischen haben ihr Warenangebot dort auf die Wünsche von Ausländern ausgerichtet. Tuchhändler, Verkäufer von Gewürzen, Kunsthandwerk, Bauchtanzkostümen und ein paar Gemüsehändler haben sich dort angesammelt. Die meisten sprechen Englisch. Touristen werden von allen Seiten angesprochen, manchmal freundlich, manchmal spöttisch. Man will sie ermuntern, etwas zu kaufen, meist zu fünf bis zehnfach höheren Preisen als üblich.
 
Das nahe am Nil gelegene Zentrum ist jedoch nicht der ursprüngliche Mittelpunkt des Stadtlebens. Bevor die Touristen kamen, spielte sich der Handel hauptsächlich auf den Märkten östlich der Bahngleise ab. Auch heute herrscht in den staubigen Straßen noch reges Handeltreiben. Allerdings sieht man hier selten Touristen. Fremde sind hier etwas Außergewöhnliches und fallen sofort auf. Die Auslagen der Geschäfte sind nicht besonders herausgeputzt. Es finden sich Waren des alltäglichen Bedarfs, Kurzwaren, Plastikbehälter, Schuhe und Fahrradzubehör. Käsereien wechseln mit Nahrungsmittelgeschäften und Gemüseständen. Die Menschen haben ernste, aber freundliche Gesichter, nicht diesen gierenden Gesichtsausdruck des Touristenbasars.
 
Verläßt man den Trubel des Basars, gelangt man in die Wohnviertel der Stadt. Es wird ruhig. Frauen sitzen vor den Hauseingängen, manche in Gruppen zusammen. Kinder laufen durch die staubigen Straßen. Katzen schleichen über die Müllhaufen, Hunde liegen wie tot auf dem staubigen Boden. Die Häuser sind in einem bedauernswerten Zustand, alt und ungepflegt. Vor einigen Hauseingänge stehen Amphoren mit kühlem Trinkwasser. Jeder Vorbeigehende kann an solchen Wasserstationen seinen Durst löschen.
 
Ein Stück weiter wird das Leben wieder aktiver in den Seitenstraßen. Die Anzahl der Kinder hat zugenommen. Man hört Fernseher aus den geöffneten Hauseingängen. Ein Blick ins Innere eröffnet einem die Armut, in der die Menschen hier leben. Die einstige Farbe der Wände ist mit Flecken des darunterliegenden Putzes durchsetzt, in den Ecken hat sich der Staub der Straße abgesetzt. Mindestens Jahrzehnte alte, ebenso verstaubte Teppiche bedecken hier und da den Fußboden. Die Menschen sitzen gebannt vor dem Fernseher.
 
Hinter der nächsten Kreuzung nimmt die Geschäftigkeit wieder zu. Hühner laufen über die Straße. Fünf Gänse schnattern in einem kleinen Verschlag neben einem Hauseingang. Es ist Abend und Männer führen Esel und anderes Vieh zu und in die Häuser. Ein Blick durch die Tür überrascht. In unmittelbarer Nachbarschaft zu den menschlichen Behausungen finden sich dort Ställe für die Haustiere. Es wirkt wie ein auf kleinsten Raum zusammengepferchter Bauernhof. Aber wir befinden uns in einer relativ großen Stadt Oberägyptens. Draußen an der Seitenwand eines Hauses verläuft ein schmales langgezogenes Becken, es dient als Tränke für die größeren Tiere. Mehrere Büffel stehen dort seelenruhig, an Leinen festgebunden und stillen ihren Durst. Kinderhorden laufen uns hinterher, sie winken uns zu und lachen.
 
Bald haben wir das für uns ungewöhnliche Stadtviertel verlassen. Die breite Straße ist wieder asphaltiert. Autos mit Scheinwerfern passieren uns. "Taxi, Taxi", ruft man uns zu. Wir überqueren erneut die Bahnlinien in Richtung Nil, zurück zu unserem Hotel. Langsam kehren wir wieder zurück in die auf Europäer ausgerichtete Welt.
 

© R. Mosler
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