Besondere Eindrücke unserer Reise

Während einer Reise sammelt man viele Eindrücke, von denen sich manche mehr, andere weniger stark einprägen. Nach einiger Zeit schälen sich in fast allen Bereichen des Alltags- und Reiselebens Höhe- und Tiefpunkte heraus, die man mit einem bestimmten Gebiet, einer Volksgruppe oder einem Land verbindet. So fängt man an, das Globale Dorf zu kategoriesieren, wodurch es in der persönlichen Vorstellung klein und überschaubar wird. Ein paar dieser Eindrücke möchten wir hier weitergeben.

Radfahren

Viele Radreisende zählen die zurückgelegten Kilometer. Wir schätzen sie lediglich grob, unsere Tachos dienen der Navigation und zur Geschwindigkeitsmessung.  So wissen wir nicht, wie viele Megameter wir hinter uns haben. Die längste Tagesstrecke mit etwas über 160km haben wir in Italien zurückgelegt, die kürzeste lag bei 4 bis 5km. Die beschwerlichste Strecke war bisher der Turkanastrand, wo wir trotz großer Anstrengung teilweise mehr als eine Stunde pro Kilometer gebraucht haben. Spitzengeschwindigkeiten bei Abfahrten liegen bei 60km/h mit einem Maximum von etwa 74km/h (es ginge wohl noch schneller).

Gefahren

Die größte Gefahr für uns geht gewöhnlich vom Straßenverkehr aus und wird maßgeblich durch die Art des Miteinanders auf der Straße bestimmt. Am nettesten wird auf den Straßen Syriens miteinander umgegangen, wo Rücksicht das Ideal ist. Eine ähnliche Einstellung zu anderen Vekehrsteilnehmern herrscht auf Sizilien und in vielen anderen Ländern. Das Gegenteil ist auf Straßen Israels, Deutschlands, der Türkei und vielerorts in Schwarzafrika der Fall, wo der Stärkerer im Recht ist. Entwächst dieses Verhalten in Schwarzafrika und teilweise in der Türkei eher der Phantasielosigkeit und einem mangelden Verständnis, so basiert es in Israel und Deutschland mehr auf dem Bedürfnis, das eigene Recht durchzusetzen.

Am gefährlichsten haben wir allerdings bisher nicht andere Verkehrsteilnehmer empfunden sondern äthiopische Kinder, die radfahrende Ausländer als wilkommenes Objekt für Spiele aller Art, wie Steinewerfen, Stöckeindiespeichenschieben, Schubsen, Indenwegspringen oder als Quelle neuer Besitztümer ansehen. Die Kinder tuen es mit voller Unterstützung der meisten Erwachsenen, die Fremde oft nicht als vollwertige Menschen ansehen.

Unterkünfte

Für viele ist eine Radreise untrennbar mit Zelten verbunden. Das ist richtig für Gegenden ohne anderer Alternative, aber in Städten schlafen wir fast ausnahmslos in festen Unterkünften. Das schönste Hotel, in dem wir übernachtet haben, war das Hotel Ontario in Karlsbad.  Die besten einfachen Unterkünfte fanden wir in Äthiopien, wo zwar keine Dusche aber dafür ein sauberes Doppelbett Standard ist. Die teuersten Hotels fanden wir im Sudan. Bedingt durch die einmalige Architektur des Landes sind viele jemenitische Hotels sehr schön und gleichzeitig dazu preisgünstig.

Essen

Das beste Essen genossen wir zweifelsohne in Italien. Außerhalb Europas legen vor allem Libanesen und ihre Nachbarn einen Wert auf gutes Essen, das mit Raffinesse zubereitet wird. In den meisten anderen Ländern bevorzugen die Menschen solide Hausmannskost, wie Couscous im Maghreb oder Kartoffeln, Maismehl und Bananen in Ostafrika. Das monotonste Essen findet man in Amhara, wo Leute am liebsten pures Fleisch in den Variationen roh, halbroh und frittiert zusammen mit Injera essen.

Klima

Die Kapriolen des Wetters betreffen uns direkt, da wir unterwgs keine dichte klimatisierte Kabine um uns haben. Wir trotzen direkt den Temperaturen, dem Regen und dem Wind. Die höchsten Temperaturen erlebten wir in Wadi Halfa, wo die Lufttemperatur bis 46°C erreichte. Die tiefsten Temperaturen mit Werten deutlich unter Null hatten wir im Sauerland. Starke Regenfälle erlebten wir in Deutschland und Schwarzafrika. Mit den stärksten Winden wurden wir im Nahen Osten konfrontiert.

Landschaft

Die landschaftlichen Eindrücke gehören zweifelsohne mit zu den Höhepunkten einer Radreise. Die beeindruckendsten und schönsten Landschaften unserer Reise waren die Plitvitzer Seen, Wadi Rum, der Turkanasee und viele andere, deren Aufzählung den Rahmen hier sprengen würde. Zypern beeindruckte mit einer landschaftlichen Vielfalt auf einem kleinem Raum, wohingegen die Sahara mit einer weitläufigen Monotonie in Erinnerung blieb.

Städte

Städte sind ein Ausdruck des Lebensgefühls und der Kultur der dort lebenden Menschen. Uns haben unterwegs architektonisch vor allem Karlsbad und Sana'a beeindruckt. Die Stadt mit dem größten Höhenunterschied war Taiz, wo so manch einer über 1000 Höhenmeter auf dem Weg vom Arbeitsplatz nach Hause zu erklimmen hat. Vom Lebensgefühl her fühlten wir uns in Palermo, Nairobi und Damaskus wohl.  Geschichtlich und aus der gegenwärtigen politischen Situation heraus war Jerusalem die zweifellos interessanteste Stadt. Die traurigste Stadt war Wadi Halfa, einst eine Millionenmetropole, wurde sie von Ägypten und Sudan dem Nassersee geopfert.

Lokale

Als Reisende sind wir öfters als im ortsgebundenen Alltag Gäste in einem Restaurant, Cafe oder einer Kneipe. So nehmen diese auch für uns einen besonderen Stellenwert ein.

In Tunesien haben wir Cafes als ein Ort der Begegnung zu schätzen gelernt. Die schönsten Cafes und Restaurants haben wir in Damaskus besucht. In Äthiopien war die unvergleichbar hohe Dichte an Bars und Restaurants der Ausdruck einer freizeitorientierten Gesellschaft.

Menschen

Syrien ist für seine besondere Gastfreundschaft weit bekannt. Dem können wir auch nur beipflichten. Die buntesten und exotischsten Menschen auf unserem Weg waren die Hamer, Galeb und Turkana. Die Gesellschaft im Hochland Äthiopiens, mit ihren stark hierarchischen sozialen Relationen, war die fremdartigste und für uns am schwersten zu verstehen, obwohl sie auf den ersten Blick der europäischen Gesellschaft mehr als arabische Länder ähnelt.


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