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Der Prozeß des Werden und Vergehens betrifft nicht nur die Natur sondern auch den Bereich der Sprache. Im Laufe der menschlichen Geschichte sind immer wieder zahlreiche Sprachen ausgestorben, während sich gleichzeitig andere neu entwickelt haben. In den letzten Jahren ist dieser natürliche Prozeß jedoch aus dem Gleichgewicht geraten. Gründe für das Aussterben von Sprachen oder ganzen Sprachgruppen sind vielfältig. Neben der Diskriminierung und Verfolgung von Minderheiten spielen auch fehlende Bildungseinrichtungen eine große Rolle. Auch die Mobilität der Landbevölkerung bedroht die Existenz von Sprachen. Der zerstörerischste Einfluß geht jedoch von der Globalisierung und der Verbreitung von Einheitssprachen als die führenden Kommunikations- und Mediensprachen aus.
 
Derzeit gibt es noch zirka 6500 lebendige Sprachen auf der Welt. In den nächsten Jahrzehnten werden laut Statistik ein Drittel dieser Sprachen ausgestorben sein. Pessimisten behaupten sogar, daß sich im Laufe dieses Jahrhunderts der gegenwärtige Sprachenbestand bis auf 10% reduzieren könnte - ein unschätzbarer Verlust.
 
Sprachen und Dialekte gehören zum Kulturerbe und zum geistigen Ausdruck des Menschen. Sie sind das wichtigste Medium der persönlichen Welterschließung und der zwischenmenschlichen Kommunikation. Darüberhinaus sind sie Ausdruck der Kreativität des menschlichen Geistes. Sie stellen einen Wert dar, der es verdient, erhalten und dokumentiert zu werden.
 
Der Aufgabe der Dokumentation von Sprachen hat sich auch der Ethnologue angenommen. Er stellt das umfassendste Nachschlagewerk für Sprachen im Web dar. Im Ethnologue sind zur Zeit etwa 7000 Sprachen aufgelistet und beschrieben. Ein Teil dieser Sprachen ist bereits ausgestorben.
 
Von den festgehaltenen Sprachen werden nur 330 von mehr als 1 Million Sprechern gesprochen. Dazu zählen fast alle europäischen Sprachen. Dieser verhältnismäßig geringen Anzahl stehen tausende Sprachen gegenüber, die nur von relativ kleinen Volksgruppen gebraucht werden. Viele davon sind heute vom Aussterben bedroht. Etwa 450 Sprachen der Welt werden nur noch von wenigen älteren Menschen gesprochen und sind kaum noch vor dem Untergang zu retten. Am meisten sind die Kontinente Asien, Südamerika und Afrika davon betroffen, aber auch auf vielen Inseln des Pazifiks sterben Sprachen.
 
Forschungen ergaben, daß die durchschnittliche Anzahl von Sprechern einer Sprache bei zirka 6000 liegt. Das heißt mit anderen Worten, daß eine Hälfte aller gesprochenen Sprachen der Welt von mehr als 6000 Personen gesprochen wird, die andere von weniger als 6000 Personen (nach Barbara F. Grimes, 2000).
 

© [2002], Jorga Interactive
 
Weiterführende Informationen
EthnologueEthnologue
GBS GBS - Gesellschaft für bedrohte Sprachen
Volkswagenstiftung Volkswagenstiftung
DOBES-Projekt DOBES-Projekt
Ablaufschema des TIDEL-Projekts Ablaufschema des TIDEL-Projekts